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News January 2020

Allen wünsche ich eine rundum gute Hoffnung
für das Jahr 2020.

Für mich gab es tatsächlich eine Weihnachtsüberraschung: auf meinen letzten Newsletter vom Dezember mit dem Thema: „Wir Menschen sind doch eine Fehlentwicklung der Natur, wir bringen die Natur um“ wie mir eine Freundin sagte und meine Stellungnahme dazu erhielt eine nie geahnte Reaktion bei meinen Lesern und Leserinnen.

Am meisten freute mich die Reaktion des Schriftstellers Lorenz Marti. Dessen Buch „Der innere Kompass“ lesen wir unter anderem in den hier stattfindenden Seminaren. Aus seiner ausführlichen Antwort zitiere ich folgenden Satz: „[…] der Mensch sei eine Fehlentwicklung der Natur, höre ich auch gelegentlich. Ich halte diese Bemerkung für überheblich bis zynisch und versuche dagegen zu halten (u.a. auch mit meinen Büchern). Die Argumentation, wie Sie sie in ihrem Weihnachtsgruss entwickeln, kann ich gut nachvollziehen – und nur unterstützen.“.

Nun zu meinem Newsletter Januar 2020
Wie versprochen gibt es zum Auftakt ins Neue Jahr eine weitere Kategorie der Ästhetik und zwar „die Unverfügbarkeit und Zweckfreiheit der Kunst“.

Meine Arisdorf Bilder im Chez Rudolfo, Arisdorf zu sehen

Es freut mich sehr, dass meine Arisdorf Bilder zur Zeit im Chez Rudolfo 

ausgestellt sind, sowie meine „Bar Girls“. Herzlichen Dank an Daniel Oeri für die Einladung.

 

 

 

 

 

 

Theater vom feinsten…mit Flyerdesign von mir

Vier Bewerber sind im Auswahlverfahren für einen Direktorenposten. Schon die erste Aufgabe sät Misstrauen…

10. & 11. Jan.       Theater Palazzo, Liestal
24.Jan.- 01.Feb.   Baseldytschi Bihni, Basel
27.Mar.                 kultSCHÜÜR, Laufenburg
03. – 5. April          Zytglogge Theater, Bern

Teatromobile.ch

 

 

 

 

Zur Erinnerung: Wir gehen davon aus, dass ein wahres Kunstwerk stets ein lebendiger Organismus ist, und im Austausch mit dem Betrachter sich als ein stets Bewegtes darbietet. Da gibt es den ersten Schritt: das Kunstwerk muss gefallen, es muss Wohlgefallen hervorrufen, sonst geht man an ihm vorüber und nimmt es nicht wahr. So ist es notwendig, dass wir das Handwerk beherrschen, beim Sehen etwas zu erkennen, sich etwas bewusst zu machen. So gelangt man zu einer gewissen Urteilsfähigkeit, die dabei hilft, die rein persönlichen Erlebnisse, welche die Grundlage bilden zu allem, in eine allgemeine Beurteilung von Qualität zu steigern. So wird man urteilsfähig und ist dann in der Lage, sich mit anderen Menschen über Kunst vernünftig zu verständigen. „Wir machen die Erfahrung, dass es in allen Vernunftbegabten Wesen die Möglichkeit eines Urteils (iudicium) über das Schöne gibt.“ Nikolaus Cusanus (Canticum Canticorum IV 7) 1456.

Nun zur oben angekündigten Kategorie: Die Unverfügbarkeit und Zweckfreiheit in der Kunst
Diese Kategorie ist wichtig für das Verständnis eines Kunstwerkes. Ein Kunstwerk ist nicht verfügbar in dem Sinn, dass es instrumentalisiert werden kann. Es kann nicht instrumentell vernutzt werden. Ein Kunstwerk bleibt immer freigestellt, es kann nicht für etwas vereinnahmt werden. In dem Augenblick, wenn ein Kunstwerk eine Parole transportiert, ist es kein Kunstwerk mehr, sondern ein pragmatischer Text. Das kann ein Werbetext sein oder eine politische Parole usw. Wesentlich ist also, dass ein Kunstwerk immer frei ist von aller Zwecksetzung, dass ein Kunstwerk von vornherein keinem Zweck unterstellt werden kann und alle diese Kunstformen die Zweckhaftigkeit haben, können natürlich nicht in Anspruch nehmen, dass sie Künste sind.
Es gibt hier eine berühmte Zwischenstellung, also ambivalente Dinge. Ich möchte eine Ambivalente Ihnen ganz kurz erläutern, dass ist die immer schwierige Sache mit einem Altar. Jemand, der einen Altar betrachtet, ein gläubiger Mensch, für den ist der Altar im Rahmen der Liturgie ein ritueller Gegenstand. Er dient dem Zweck, die Offenbarung der Bibel durch gemalte oder geschnitzte Bilder, zum Teil in prunkvollen Flügelaltaren während der Gotik den Gläubigen vor Augen zu führen.
Ein Kunstbegeisterter, der eine Kirche besucht, der vielleicht an der religiösen Offenbarung nicht interessiert ist, betrachtet den Altar als ein Kunstwerk. Also ein Altar kann für den einen ein reines Kunstwerk sein, ohne Zweck, für einen anderen hat der Altar einen Zweck, und zwar dann, wenn er kein Kunstwerk, sondern ein ritueller Gegenstand ist. Es können in ein und demselben Augenblick während eines Gottesdienstes, wenn Menschen vor dem Altar beten, zugleich sogar Touristen reinkommen in die Kirche, um den Kunstcharakter des Kunstwerkes zu genießen, während für die anderen, die vor ihm beten, der Gegenstand eben kein Kunstwerk ist, sondern die Erscheinung von Glaubensoffenbarungen.
So kann ein Altar beides sein: ein ästhetischer Gegenstand oder ein ritueller Gegenstand. Rituell dient er dem Zweck, der Liturgie und der Andacht. Ästhetisch ist er vollkommen frei erleb- und deutbar. Das heisst jetzt nicht, dass das eine oder das andere eine Abwertung ist, sondern es ist einfach einen andere Bestimmung. Und man muss eben klar machen, gerade bei sakraler Kunst, ob es ein ritueller Gegenstand ist oder ästhetischer Gegenstand für den einzelnen Menschen ist.
Also ein Kunstwerk ist nicht verwertbar. Damit ist es aber nicht wertlos, denn dieses Kunstwerk stellt sich eigentlich dem, was uns in der Praxis geläufig ist, es stellt sich jeder Verfügung entgegen. Das kann natürlich sehr häufig dazu führen, dass insbesondere in Diktaturen ein Kunstwerk provokant wirkt, weil es sich der Diktatur entzieht und deshalb ist das Erste, was im Allgemeinen Diktatoren machen, dass sie die Künstler verfolgen und dass sie Bücher verbrennen.
Kunstwerke lassen sich nicht vereinnahmen. Sie sind allein schon als Kunstwerke widerständig, weil sie unverfügbar sind. Und das ist natürlich eine Form der Provokation. Nicht zufällig ist auch die Blütezeit der Freiheit, die Zeit großen künstlerischen Fortschritts oder umgekehrt gesagt: eine sozialistische Wirtschaft und ein sozialistischer Realismus sind beide gleichermaßen eine katastrophale Form im Umgang mit der Kunst.
In der Kategorie der Unverfügbarkeit, ist also letzthin immer das als Widerstand der Kunst bewahrt, eine Freiheit und eine Provokation und ein Versuch sich jeder Vereinnahmung zu entziehen.
Interessant: Ein Altar verliert dann seinen rituellen Charakter, wenn er ins Museum gebracht wird, in einen ganz besonderen Raum. Beispiel: Der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald im Museum Unterlinden in Colmar. Dann ist er nur noch ein ästhetischer Gegenstand. Also es ist auch wichtig, wo ein Kunstwerk erscheint.
Schlussendlich: Kunst wird von Menschen für Menschen gemacht, das heisst nicht für Museen, nicht für Art Messen, nicht für Demonstrationen von politischen Thesen. In ihrer schönsten Form zeigt sie immer das gewisse Etwas: die Idee von Menschen.